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EIN KLEINES STÜCK BREMER GESCHICHTE




Es ist noch gar nicht so lange her, da wehte so manchem Passanten in der Gertrudenstraße eine kräftige Landbrise um die Nase.
Und so manch anderer konnte ein lebhaftes Muhen aus dem Hinterhof des Hauses Nummer 39 vernehmen. Denn mitten im Bremer Viertel, dort, wo sich heute das Seminarhaus befindet, standen 22 Milchkühe der Familie Biermann. Einer der letzten städtischen Bauernhöfe wurde seit 1891 von Familienhand geführt und produzierte bis zum Jahr 1995 an die 500 Liter Milch am Tag. Beliefert wurden bremische Hotels, der Krämerladen um die Ecke, kleinere Supermärkte und Privathaushalte. Der untere Seminarraum bot von November bis Mai Platz für das liebe Rindvieh, der obere Raum war der Heuboden. In der heutigen Küche, wo heute die Verpflegung der Gäste zubereitet wird, wohnten die Kälbchen. Und wer sich seine Vorzugsmilch - eine heute kaum mehr erhältliche, naturbelassene Frischmilch - zum Frühstück selber holen wollte, spazierte einfach in die jetzigen Büroräume – dort befand sich damals die Küche der Großfamilie. Im Sommer kamen die Kühe auf die Weiden in Grolland und auf dem Stadtwerder, wo sie ausgiebig grasen und frische Luft schnuppern konnten. Und ganz nebenbei war der Biermannsche Betrieb ein wahrer Recyclinghof: Im Winter verfütterte die Familie Treber aus der Brauerei Beck an ihre Tiere, ein Restprodukt des Bierbrauens und reines Kraftfutter. Gemolken wurde bei Bauer Biermann übrigens bis 1966 noch von Hand, dann übernahm eine Melkmaschine diese Arbeit.

1995 stellte der Gertrudenhof seine Milchwirtschaft ein und Familie Biermann wechselte zu einem Betrieb im Umland. Die neuen Eigentümer des Gertrudenhofs bauten den Bauernhof komplett um. Mit viel Feingefühl schafften sie es, den friedvollen, rustikalen Charme der Räume zu erhalten. Pächterin Bärbel Schulze, von Beruf Innenausstatterin, bastelte mit viel Liebe und Kreativität an vielen Details, um dem Gertrudenhof seinen bis heute erhaltenen, ganz individuellen Stempel aufzudrücken. Als sie den Seminarbetrieb im März 1997 schließlich aufnahm, war aus dem alten Milchbauernhof eine ruhige Oase inmitten des hektischen Viertels entstanden, der, so Bärbel Schulze, Raum für geistige und körperliche Nahrung bot. Nach zwei Betreiberwechsel und einigen Erneuerungen ist der Gertrudenhof ein modernes Seminarzentrum geworden, das sein charmantes Ambiente bewahrt hat. Und noch heute erinnert manches Accessoire an dieses Denkmal bremischer Stadtgeschichte: den Milchbauernhof von Bauer Biermann.

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